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PresseEcho

19.09.2008
Berliner Morgenpost

Unterricht in der eigenen Firma

Der Unterricht in der Neuköllner Förderschule am Zwickauer Damm beginnt heute mit dem kräftigen Tuckern eines Dieselmotors. Lehrer Reiner Lüers fährt einen blauen Lieferwagen vor, steigt aus und weist auf die Rücklichter. Denni und Marvin, beide 16 Jahre alt, wissen, was zu tun ist. Sie nehmen die Verkleidung der Lichter ab, ihre Finger arbeiten sich durch bunte Kabel. Mit wenigen Handgriffen schrauben die beiden Zehntklässler neue Glühbirnen in die Fassungen.

Denni und Marvin sind so etwas wie junge Unternehmer. Sie arbeiten in der Schülerfirma "Die Matchboxer". Sie ist eine von fünf Schülerfirmen in der Förderschule. Jeden Freitag werden die Neunt- und Zehntklässler gemeinsam im Fach Arbeitslehre unterrichtet. Und das bedeutet, dass die Schüler dann in ihren Firmen wirtschaften. Es gibt die eine Art Styling-Beratungsunternehmen, andere arbeiten bei einer Cateringfirma oder dem Brötchenbackdienst.

Bei den Matchboxern organisieren die Schüler ihre Arbeit unter Anleitung von Reiner Lüers in ihrer eigenen Kfz-Werkstatt. Die Deutsche Jugendhilfe hatte den Schülern vor drei Jahren ein Startkapital von 3000 Euro geschenkt - seither verwalten sich die Matchboxer selbst. Ölwechsel gibt es für drei Euro pro Liter, eine Komplettpflege kostet bei den Matchboxern 28 Euro. "Die Jungs sind gut genug, um konkurrenzfähig zu sein", sagt Pädagoge Lüers. Auch die Bestätigung tue den Jugendlichen gut.

Die Schule ist ein Förderzentrum für lernbehinderte Schüler. Chancen auf einen normalen Job seien für sie rar, sagt Lüers. Es gehe vor allem darum, dass die Schüler Selbstständigkeit und Pünktlichkeit lernten, erklärt der 50-Jährige. Anstatt vor einer Tafel sitzen die Jungs und Mädels in eigenen Büros, veranstalten Meetings und sorgen sich um die Kundschaft. Die Schüler lernten mehr und besser, wenn sie sich gegenseitig auf die Finger schauten, anstatt "nur den Lehrer anzustarren", sagt Lüers.

Die Minifirmen der Schule am Zwickauer Damm sind im Netzwerk Berliner Schülerfirmen (Nebs) organisiert. Über 240 kleine Betriebe vereint Nebs an insgesamt 47 Berliner Förderzentren. "Unser Erfolg mit den Schülerfirmen ist enorm hoch", sagt Jürgen Günther, Projektmanager von Nebs. Die Schüler seien im Umgang mit Geld, Kundschaft und Firmenmanagement enorm wissbegierig - und die Motivation übertrage sich sogar auf anderen Unterricht wie Mathematik oder Deutsch.

Jeder Schüler, der nach seiner Zeit im Förderzentrum in eine Ausbildung vermittelt werden konnte, ist nach Angaben des Projektmanagers vorher in einer Schülerfirma gewesen. (Marc Röhlig)

 

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